DEUTSCHLANDFUNK Sendung: Feature Dienstag, 04.11.2008 Redaktion: Hermann Theißen 19.15 - 20.00 Uhr Der ewige Bandit Eine kärntnerslowenische Familiensaga Von Ursula Rütten URHEBERRECHTLICHER HINWEIS Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt und darf vom Empfänger ausschließlich zu rein privaten Zwecken genutzt werden. Jede Vervielfältigung, Verbreitung oder sonstige Nutzung, die über den in §§ 45 bis 63 Urheberrechtsgesetz geregelten Umfang hinausgeht, ist unzulässig. ? Deutschlandradio - Unkorrigiertes Manuskript - Musik Hin Über D´Alm und Hassler O-Ton: Ana Zablatnik Das war so, damals. Deutschland verliert. Das hat jeder gedacht: der Deutsche wird verlieren. Der wird nie gewinnen den Krieg. ... Das hat mitgeholfen, dass du den Mut gehabt hast. Das hat dich immer begleitet: Du tust etwas Gutes mit dem, wenn du dagegen bist. Nicht nur für dich kämpfst, sondern für das Volk, für die Freiheit und für die, die in der Freiheit bedroht sind. Musik Hassler und Hin Über D´Alm O-Ton: Ana Zablatnik Mein Name ist Ana, Schreibname ist Safran, verheiratet als Zablatnik. Geboren bin ich in Ludmannsdorf, Bil?ovs, beim Pomo?. Geboren am 30.10.1923. Musik Hin Über D´Alm und Hassler O-Ton: Ana Zablatnik Sveti ve?er ... Dort, beim Wald, wo wir uns das erste Mal getroffen haben mit den Partisanen. ... Das ist auch so ein Gedicht von mir. Alles in dem Sinn, wo wir sind und was wir sind ... und so weiter. Das ist Weihnachten '44 vielleicht, der Heilige Abend im Gefängnis. .. Das ist alles aus dem Gestapogefängnis. Musik Hassler und Hin Über D´Alm Sprecher: Der ewige Bandit. Eine kärntnerslowenische Familiensaga. Ein Feature von Ursula Rütten O-Ton: Miha Zablatnik Die Widerstandskämpfer waren im Krieg die Banditen. Sie wurden so genannt von der deutschnationalistischen Herrschaft. Unser Gebiet war damals ein sogenanntes Bandengebiet, weil da der Widerstand sehr stark war. Ich hab schon vor dem Schulalter mitbekommen, dass ich ein Sohn von Banditen bin. Musik: Hassler, 4, Auftakt b O-Ton: Miha Zablatnik Ich heiße Miha Zablatnik, bin Jahrgang 1949. ... Ich bin der Sohn von Ana und auch Miha Zablatnik. Die Ana hat hier auf diesen Hof, wo es beim Kumer heißt, dazugeheiratet, und ich bin der älteste Sohn. Hatte als Kind Asthma und war nicht vorgesehen zuerst als Landwirt. Deswegen hat man mich aufs Gymnasium geschickt. Aber irgendwo hat das Schicksal es so gewollt, dass ich trotzdem Bauer geworden bin. Musik: Goisern Kuahmelcher (Live) Autorin: Piefke bei den Tschuschen. Könnte man meine lehrreiche Begegnung mit der kärntnerslowenischen Familie Zablatnik auf national-bewusst-österreichisch bezeichnen. Ich als deutscher Zaungast auf Kärntner Scholle kann mit dieser hier zu Lande durchaus geläufigen verbalen Abgrenzung von Deutschen und vor allem von Slawen nichts anfangen. Werde ich überhaupt verstehen können, was daran gerade in Kärnten seit Generationengedenken so wichtig ist fürs eigene Wohlbefinden, sprich: für das Abstecken der eigenen Identität? Der immer wieder auflebende Streit um die Gleichberechtigung der alteingesessenen nationalen Minderheiten. Um zweisprachige Ortstafeln. Um zweisprachigen Schulunterricht. Ist doch Schnee von gestern. Ist doch alles längst durch die Verfassung geregelt in den Gemeinden mit Anteilen der kärntnerslowenischen Minderheit beziehungsweise der kroatischen im Burgenland! Meine ich, politisch korrekt. Und liege - in Kärnten - falsch. Atmo: Art.7 unser Recht - Demo O-Ton: Ingrid Zablatnik Ich hab auch nur ganz wenig mitbekommen von der slowenischen Minderheit, dass es das gibt. Das war1972, der Tafelsturm, da hat man etwas im Fernsehen gesehen. Aber da war das für mich so weit weg, dass es mich nicht betroffen hat. Eigentlich erst durch meinen Mann, den ich in Wien kennen gelernt habe, habe ich mich mehr damit auseinandergesetzt und habe mitgekriegt, dass sie nicht Zugewanderte, also nicht Gastarbeiter sind, sondern dass sie von Geburt an schon länger in Kärnten sind, in Südkärnten, als wie Deutschsprachige in Südkärnten sind. Ja, ich bin die Ingrid Zablatnik. Ich bin selbst geboren in Oberösterreich, Bezirk Braunau. Ist ja auch ein belasteter Ort. Bin aus einer deutschsprachigen Familie und bin 1975 nach Kärnten gekommen, mit 20 Jahren. Sprecher: Im Staatsvertrag von 1955 sichert Österreich den Slowenen und Kroaten in den Bundesländern Kärnten, Burgenland und Steiermark besondere Minderheitenrechte zu. Der Artikel 7 sieht zweisprachige topographische Aufschriften in gemischtsprachigen Gebieten vor, ohne dieses Recht jedoch genauer zu definieren. Im Juli 1972 beschließt der Nationalrat unter der Regierung Kreisky, gegen die Stimmen von ÖVP und FPÖ, die Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln in 205 Kärntner Gemeinden mit mindestens 20 Prozent Anteil slowenischsprachiger Bevölkerung. Die ersten Tafeln werden im darauffolgenden September in Südkärnten aufgestellt. Unter Protest großer Teile der deutschkärntner Bevölkerung. Atmo: Eine Massenkundgebung wie diese hat die Kärntner Landeshauptstadt seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt. Der Kärntner Heimatdienst hat zu dieser Demonstration aufgerufen. Er bezeichnet sich als Dachverband aller heimattreuen Verbände im Lande. Die Kundgebung richtet sich gegen das von der SPÖ initiierte Ortstafelgesetz ... Musik Zeitzeichenhymne Atmo: Ich war ein sogenannter Ortstafelstürmer. Ich steh dazu. Heute noch. Wenn man noch einmal so ein dummes Gesetz bringt, bin ich wieder auf der Seite. Musik Zeitzeichenhymne Sprecher: Im Laufe des so genannten Ortstafelsturms werden, teilweise vor laufender Kamera und in einigen Fällen auch in Anwesenheit der Polizei, zweisprachige Aufschriften überschmiert, abmontiert oder zerstört. Als erster Ortstafelstürmer tritt der SPÖ- Bürgermeister der Gemeinde St. Kozian in Erscheinung. Die Aufstellung weiterer zweisprachiger Beschilderungen wird gestoppt. O-Ton: Breda Zablatnik Ich bin im Gegensatz zu meiner ganzen family eigentlich am wenigsten politisch aktiv. Ich finde es extrem gut, wenn Leute, wie meine Eltern, sich hinstellen und sagen, es gehört etwas anders gemacht, und die sagen es nicht nur, sondern stellen sich auch hin und machen es dann. Ich hab die eine Seite weiterbekommen, die slowenisch-deutsche. Andere Bekannte von mir haben halt nur das Deutsche mitgekriegt, manche sogar nur das nationalsozialistische. Und dementsprechend kann ich das nicht ausklammern, wenn ich über Kärntnerslowenen spreche, weil es ist einfach so, wenn jemand etwas über diese Thematik erfahren will, warum es in Kärnten heute so ist, da muss man so weit zurückgehen und an den Ursprung gehen, dass man jemandem erklären kann, wo dieses Denken herkommt. Ich bin die Breda Zablatnik, bin 26 Jahre alt, bin die jüngste Tochter von Miha und Ingrid Zablatnik. 2002 bin ich nach Wien gekommen, studieren. Ich hab Soziologie angefangen, dann gewechselt auf Pädagogik. Atmo: Glocken Zabo?evo O-Ton: Miha Zablatnik Hier war eigentlich ein rein slowenischsprachiges Gebiet. Außer dem Lehrer hat niemand deutsch gekonnt und dem Pfarrer. ... Ich hab schon als Kind mitgekriegt, diejenigen, die weiße Hemden und Krawatten tragen, haben deutsch gesprochen, weil die sind als Beamte oder irgendwer hinzugekommen, und unsereins war eher Bauer oder Arbeiter. Sprecher: Kärnten ist deutsch: 1. Kapitel Musik: Kärntner Landeshymne 1. Strophe Dort, wo Tirol an Salzburg grenzt ... beginnt mein teures Heimatland O-Ton: Ana Zablatnik Die Älteren, die meisten, haben ja überhaupt nicht deutsch können. Bei uns ist ja erst die Schule, 1882 wurde sie eröffnet. Früher war ja keine Schule. ... Die Schule war aber sofort auf der deutschen Seite. ... Da hat sehr viel die Lehrerschaft mitgearbeitet, sehr deutsch gesinnte Lehrer, obwohl sie auch slowenisch geredet haben. ... Aber es sind sehr national eingestellte gewesen. Die wollten schon gleich Deutschkärntner sein. Dieses Windische haben sie dann ausgenützt bei dieser 20er Volksabstimmung. Das waren diese Slowenen, die was für Österreich gestimmt haben. Sprecher: Nach dem Zerfall der Donaumonarchie und der politischen Neuordnung Europas am Ende des Ersten Weltkrieges. Zehn Jahre später wird das von der Kärntner Landsmannschaft zur Nationalhymne erklärte Heimatlied aus dem 19. Jahrhundert um eine vierte Strophe ergänzt. Musik: Kärntner Landeshymne Wo Mannesmut und Frauentreu' die Heimat sich erstritt auf's neu, wo man mit Blut die Grenze schrieb und frei in Not und Tod verblieb, hell jubelnd klingt's zur Bergeswand: Das ist mein herrlich Heimatland. Sprecher: Das neu gegründete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, SHS, bald Jugoslawien genannt, beansprucht Teile Kärntens mit überwiegend slowenischsprachiger Bevölkerung für sich. Knapp ein Viertel des Gebiets. Truppen des SHS-Staates rücken Ende 1918 in Südkärnten ein. Die provisorische Kärntner Landesregierung reagiert mit bewaffnetem Widerstand, als Kärntner Abwehrkampf bezeichnet. Gegen den Willen der Wiener Zentralregierung. In einer Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 entscheidet sich eine knappe Mehrheit der Kärntner Bevölkerung für den Anschluss an die soeben konstituierte Republik Österreich. Mehr als ein Drittel der Stimmen kommt von Kärntner Slowenen. O-Ton: Miha Zablatnik Ja, das sind zum Großteil assimilierte Slowenen. In unserer Gemeinde haben bei der Volksabstimmung 1920 73 Prozent für den Anschluss an Jugoslawien gestimmt. Als Kinder haben wir mitbekommen, noch von meiner Großmutter, was sie erlebt haben nach dem Plebiszit, dass diese Versprechen, die den Slowenen gegeben worden sind, wenn sie für Österreich stimmen, dass sie dann eine Autonomie bekommen, Rechte bekommen. Das war gar nicht der Fall. Es haben alle Lehrer ihren Job verloren. Ein Bruder meiner Großmutter war Richter. Der hat nach 1920 die Anstellung verloren, musste nach Slowenien, weil er ein Slowene war und sich für das einsetzte. So haben wir in der engeren Verwandtschaft miterlebt, dass hier einer war, der gehen musste. Dann ein zweiter, der Vater meiner Nachbarin, die auch so alt ist wie meine Mutter, der war Zimmermeister. Der hat keine Arbeit mehr bekommen, musste auch hinunter. Alle Beamten, Bahn-Angestellten, Lehrer, die Funktionäre in der Kirche, die sind alle auf die Straße gestellt worden oder verjagt worden. Und es war so: diejenigen, die für Jugoslawien gestimmt haben, waren Verräter, und diejenigen, die für Österreich gestimmt haben, waren positiv. Zitator: Bei der Wiederaufrichtung der Heimat dürfen nicht jene 15.279 vergessen werden, die bei der Volksabstimmung für den Anschluss an das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen stimmten. Wir glauben, dass davon wohl viele Tausende Verführte sind, die wir wieder zu Kärntnern zu machen haben. Sprecher: Erklärung des Landesverwesers Arthur Lemisch nach der Volksabstimmung auf einer Sitzung des Kärntner Landtages am 25. November 1920. Zitator: Nur ein Menschenalter haben wir Zeit, diese Verführten zum Kärntnertum zurückzuführen. In der Lebensdauer einer Generation muss das Erziehungswerk vollendet sein. Das werden nicht die Behörden und die Regierungen machen können. Das Kärntnervolk selbst muss es besorgen: Haus, Schule und Kirche müssen sich am Heilungswerk beteiligen. Atmo: Sommer Musik: Almdoodler Autorin: Südalpen. Die Karawanken. Sogenanntes Bandengebiet bis hinunter in die Hochtäler Kärntens etwa zwischen Lavamünd im Südosten und St. Stefan, Gailtal, im Südwesten. Vor meiner freundlichen Aufnahme bei der Familie Zablatnik auf ihrem Hof nahe Klagenfurt mache ich mir ein Bild von dem Siedlungsraum der hier also seit Generationen ansässigen slowenischen Volksgruppe. Wandernd. Höhenmeter um Höhenmeter talwärts. Durch eine traumhaft schöne Berglandschaft. Auf den verwehten, verwitterten Spuren ihrer jüngeren Geschichte. Die im Widerstand gegen den Faschismus eskalierte, ihren blutigen und traumatischen Höhepunkt erreichte. Und im Widerstand gegen eine brutal forcierte Germanisierungspolitik, die gerade in Kärnten auf fruchtbaren Boden und willfährige Vollstrecker stieß. Sprecher: Kärnten ist deutsch: 2. Kapitel O-Ton: Miha Zablatnik Es hat ja die nationale Bewegung angefangen schon vor dem Zweiten Weltkrieg. Zumal in Ludmannsdorf die erste Eindeutschungswelle war die Feuerwehr. O-Ton: Ana Zablatnik Das war, noch bevor der Hitler in Deutschland übernommen hat, 32er Jahr, waren in Ludmannsdorf die Straßen mit Hakenkreuzen besät. ... Fünf Tage drauf kommen solche Dings wieder ins Gasthaus, alle a bissl angeheitert und dann fängt einer das Schreien an, auf Slowenisch: Habt ihr schon gehört, was jetzt kommt für eine Zeit! Hängt die Pfaffen und die Juden an die Wand! Jetzt kommen andere Zeiten, auch für euch. ... Atmo: Akkordeon , Wanderung, Einkehr m. Stimmen, Hund bellt und Berge Autorin: Über den Loibl von der Südseite der Karawanken, von Slowenien. Aufstieg über Sveta Ana durch die im Volksmund so geheißene Tito-Scharte. Kurz vor dem Grenzübergang an der Passstraße ein meterhohes menschliches Bronzeskelett: ein Mahnmal neben den Fundamenten des Konzentrationslagers Loibl Süd: Zur Erinnerung an die KZ-Häftlinge hier in diesem Außenlager von Mauthausen, die bei der Errichtung des Loibl-Tunnels nach 1943 ums Leben kamen. Österreich begnügt sich mit einer schlichten, erst 1995 errichteten Gedenktafel an einer Seitenwand des Zollhauses Loibl Nord. Musik: Partizanska Balada Autorin: Weiter östlich. Das Grenz-Hopping in frischer 2000-Meter-Höhenluft auf der Ol?ava, dem Erlberg, ist ohne bewaffnete Todfeinde auf den Fersen und gut versorgt mit einer deftigen Brotzeit im Rucksack ein Hochgenuss. Der steil gewundene, steinige Pfad oberhalb von Eisenkappel / ?elezna Kapla, über Sveti Leonhard zu dieser einsamen grünen Grenze zwischen Kärnten und Slowenien, führt vorbei an einem gigantischen Felsentor über einen stellenweise längst seilgesicherten Steg. Von Einheimischen auch "Ho-Tschi-Minh-Pfad" genannt. Nicht von ungefähr, denn auf halber Höhe liegt eine Reihe kärntnerslowenischer Einödhöfe. Im Zweiten Weltkrieg hatten sie als geheime Versorgungsstützpunkte überlebenswichtige Funktionen für die hier im unwegsamen Gelände, in Erdbunkern und Felshöhlen versteckten Partisanen. Kärntnerslowenen und Genossinnen und Genossen von der antifaschistischen Volksbefreiungsfront jenseits der Karawanken, unter dem Kommando des jugoslawischen Marschalls Tito. Atmo: Per?manhof: Männerchor Autorin: Zum Beispiel der Per?manhof. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurden auf diesem Bergbauernhof elf Mitglieder zweier kärntnerslowenischer Bauernfamilien von SS-Schergen und, höchstwahrscheinlich einheimischen Dorfpolizisten massakriert. Vom Kleinkind bis zum Greis. Das Verbrechen wurde nie aufgeklärt und dementsprechend nie gesühnt. Erfahre ich aus Dokumenten und Büchern im wieder errichteten, inzwischen zum Museum des kärntnerslowenischen Widerstandes umgewidmeten Per?manhof. O-Ton: Ana Zablatnik Nach der Besetzung, wo sie Jugoslawien besetzt haben, '41, sind diese Plakate gekommen: Kärntner, sprich deutsch, im Gasthaus, dass es ja jeder gesehen hat. ... Dann haben sie, wir haben ja eine Bücherei gehabt, eine slowenische, haben sie auch, wenn man nicht schnell war, haben sie verheizt. In der Schule haben sie alles verheizt, was noch slowenisch war. Bücher haben sie ja noch slowenische gehabt. Muss noch bei uns irgendwo ein Bild sein, wo sie hineinschmeißen die Bücher in ein großes Feuer vor der Schule, in dieser Zeit, vielleich '40' '41 vielleicht - ja. Musik: Hubert von Goisern Trad A Goiserer Jaga und Hassler O-Ton: Ana Zablatnik Bei uns ist es so gewesen. ... am 14. April '42. Ein paar Tage früher haben wir Post gekriegt vom Bruder, dass er gefallen ist in Russland. Das war üblich früher, man hat so einen schwarzen Stoff gekauft, dass wir was gemacht haben als Trauerkleid, und in der Früh fahren wir mit der Cousine nach Klagenfurt und: Maria, da stehen so viele Omnibusse, drei oder vier. Hab ich gefragt die Cousine, was tun sie denn da? Ach, sei still, hat sie gesagt, die war auch bei ... der Partei, meine Cousine. War halt Lehrerin. ... Und dann geh ich zu ihnen und seh unsere Leute drinnen. Nicht unsere, meine, aber die Nachbarn. Sind vier Familien dringesessen. Ich sag: Was tut denn ihr da? - Ja, haben wir müssen alles stehen lassen. Wir wissen selber nicht, wo sie uns hinführen. ... Ich mach einen Schrei und sag: um Gottes willen, sind unsere auch dabei? - ... Sagt sie, sei still, sonst kannst du auch noch einsteigen! Hab ich wieder nicht gewusst, was ist denn los. ... Sofort hat sich das im Dorf herumgesprochen, dass sie weggeführt haben die Leute, mit einem Koffer. Am nächsten Tag kommen wir dran, so hat es geheißen. Es wurden noch zehn Familien abgeholt. Die haben sie in Ebental, da war so ein Arbeitslager. Dort haben sie sie hingeführt. ... Und dann haben sie sie nach Deutschland überall in diese Lager, ins Altreich... Autorin:"Und Ihre Familie?" - Ist daheimgeblieben, Gott sei Dank. Musik: Heiliger Krieg O-Ton: Miha Zablatnik Der Widerstand war in erster Linie ums slowenische Überleben, weil slowenisch war verboten. ... Jede organisierte Tätigkeit war untersagt. Der Kulturverein verboten, die slowenische Bank verboten, die slowenische Genossenschaft, egal was war, alles war verboten. Von daher war einmal die Motivation. Die zweite Motivation, so wie von meinem Vater, der alles erlebt hat als Soldat, was diese Macht da macht, die Wehrmacht, da wollte er nicht mehr mitmachen. ... Mein Vater war bis '44 deutscher Wehrmachtssoldat, dann ist er desertiert und zu den Partisanen gegangen. ... In der Zwischenzeit war meine Mutter schon im Widerstand. O-Ton: Ana Zablatnik Bei uns war es so: die Mutter hat mitgeholfen, aber ich war aktiv. Die haben alle gewusst und auch die Post getragen. Das war sehr gefährlich. Das war Kurierdienst. Autorin: "Wann haben Sie denn zum ersten Mal vom Widerstand gehört? Hat man sich wehren wollen? Was war denn mit diesen 'Waldleuten'?" - Ja das war '43er Jahr. Man hat schon vieles gehört von Jugoslawien. In den Karawanken sind sie, Eisenkappel, oder von Zell oben, statt dass sie eingerückt waren, haben sie sich versteckt. ... Und ich war auch dabei, '44, Jänner. Mitte Jänner haben wir die ersten Kontakte gehabt. ... Und da haben wir schon Aufträge gekriegt. ... Viele haben zerrissene Sachen angehabt, es waren so zehn Partisanen. Gesehen haben wir nur zwei. ... Haben wir schon dort und dort hin die Post tragen, Kurierdienst, von einer Ortschaft in die andere. ... Ich war Dragica. Namen, die meisten haben verschiedene Namen gehabt ... Musik: Partizanska Balada, A: Naglo pu?ke smo zgrabili; Einsatz Chor, vorher Auftakt Trompete O-Ton: Ana Zablatnik Auftrag war aber auch von den Partisanen damals, dass sie den Ortsgruppenleiter hoppnehmen und den Bauernführer, so gewisse typische Nazis, die viel Unheil gegen die Slowenen. Einen haben sie im Wald erschossen, den Bauernführer. Der Ortsgruppenleiter hat sich versteckt, ... den haben sie nicht gefunden. Und den Lehrer haben sie auch wollen, den Oberlehrer, aber der ist beim Fenster hinaus und hat sich auch versteckt. Und da ist noch so eine rumänische SS gekommen, mit 12 Mann, die haben bei uns ausgeräumt das Gastzimmer, Stroh hinein und sind 10 Tage im Haus geblieben. ... Autorin: "Mit welchen Gedanken haben Sie diese Partisanen unterstützt, was war Ihr Ziel?" - Als Kärntnerslowene am Leben zu bleiben. Wenn du willst, dass du lebst, musst du dich widersetzen. ... Nicht nur für dich kämpfst, sondern für das Volk, für die Freiheit und für die, die in der Freiheit bedroht sind. ... Ich wollt ja auch mit in den Wald gehen. Ich hab schon die Hose gehabt und so eine Jacke mir machen lassen von einem Schneider. Ist aber nicht dazu gekommen, weil sie mich verhaftet haben. Sonst wär ich auch in den Wald gegangen. Musikakzent aus Heiliger Krieg O-Ton: Ana Zablatnik Am 6. Mai wurde ich verhaftet, '44. 5. um 11 Uhr abends sind sie gekommen, und am 6. um 6 Uhr weggeführt von daheim, auf die Gestapo. Da haben sie mich 8 Tage verhört. ... Sollt ich etwas zugeben, weil ich Angst hatte um den Bruder, der war auch schon auf der Liste, zum Wegtransportieren, der mongoloid war. ... Dann hat ein Arzt, eine Schwester, ihn durchgestrichen, sonst wär er auch in diesem Ofen verbrannt, wie sie das mit diesen Behinderten gemacht haben. ... Hab ich nicht viel gesagt. Aber soviel, dass die Familie daheim geblieben ist. Und angeblich hätte es noch sollen sein, dass wir nach Graz hätten transportiert werden sollen. Dort hätten sie mit uns gemacht, wie sie es halt gemacht haben, irgendwo hinführen, zusammenschießen und puff paff oder aufhängen. Wir waren 18 oder 19 Personen von Ludmannsdorf, waren 150 Angeklagte. ... Am 26. Dezember wurden wir überstellt 'Dezember 44, aufs Gericht. Vor uns waren zehne zum Tode verurteilt, fünfe fürs Lager. Die nächsten waren wir. Und das ist nicht mehr zustande gekommen. Musik Hin Über D´Alm und Hassler Sprecher: Kärnten ist deutsch - 3. Kapitel O-Ton: Breda Zablatnik Jeder hat mit seinem Trauma, oder was er erlebt hat, fertig werden müssen, nur es war nicht so schlimm als wenn du nach Hause kommst und weißt: eigentlich habe ich gegen meinen Bruder gekämpft. Da kann mir keiner sagen, dass sich das nach ein paar Jahren wieder verjährt und man vergisst. Das ist in einem drinnen. Ich seh es nur an meiner Oma, die sich die ganze Zeit damit befasst. In der letzten Zeit noch mehr, einfach weil sie das weiter geben will, was sie erlebt hat, und sie nicht will, dass das noch einmal passiert. Atmo: Die Trachtenkapelle in ihren feschen Musikantentrachten leitet nun über zum Block der Kameradschaftsverbände, die hier an der Tribüne vorbei defilieren. Atmo: Und Sie werden sich vielleicht die Frage gestellt haben, wie es denn möglich sei, ein ganzes Bundesland zu Trachtenträgern zu erziehen. O-Ton: Ingrid Zablatnik Die Mama war sicher sehr - für sie war das ein Problem, dass sie zurückgekommen sind aus dem Gefängnis, jetzt ist eine andere Regierung, jetzt sind andere Leute an der Macht. War das für sie ein Problem, wenn sie sieht, dass die Engländer mit den gleichen Deutschnationalen, sind auf einmal wieder die Vertreter für Kärnten. ... Es war nur kurze Zeit Jugoslawien da, also Partisanen, und die haben gehen müssen. Dann ist es fast 1 zu 1 gewesen wie vor dem Krieg. ... O-Ton: Breda Zablatnik Mich würde es fertig machen. Man hat dafür gekämpft, für das Recht, und danach war das Recht da, aber die Leute haben es nicht anerkannt, dass man dafür gekämpft hat. Atmo: Das ganze Land im Kärntnerg'wand ist eine Losung, die wahr geworden ist. Nicht nur im Festzug. Wenn Sie durch diese Stadt gehen, wenn Sie heute durch Kärnten fahren, dann werden Sie sehen, dass vor allem das Dirndl und der Kärntner Anzug ... Kommentatorin: Jeden 10. Oktober wird in Kärnten der Ausgang der Volksabstimmung von 1920 gefeiert. Bei den Feiern dominiert jedoch die militärische Tradition des sogenannten Abwehrkampfes gegen die jugoslawischen Gebietsansprüche. O-Ton: Miha Zablatnik In Kärnten ist es so, dass man an diesen Widerstand bald, von der deutschnationalen Seite und von der offiziellen Regierungsseite in Kärnten, hat man ihn versucht, in die Verräterrolle hineinzudrängen: Ihr habt ja nicht gegen Hitler gekämpft, ihr habt ja für den Anschluss an Jugoslawien gekämpft. Das war die erste Sünde. Die zweite, noch größere: ihr habt ja mit den Kommunisten gearbeitet. Und es war immer so das Schimpfwort wenn du irgendwo warst: hau ruck über den Loibl. Der Loibl ist die Grenze zu Slowenien. Sobald du gesagt hast, du bist Slowene, warst du auch gleich ein Tito-Kommunist. Das war ein Synonym. O-Ton: Ana Zablatnik Wenn man's so nimmt: Wer war denn der erste Widerständler? Der Kommunist. Und dem haben wir geholfen. Kein Mensch, anderer, ist kommen zu dir: Weißt was, ich helf dir, wenn du willst. Atmo: Wo sind sie gewesen, als wir ... und sie waren an der Front, aber da war eine andere Front ... Ja, der war ein feiner Mensch, der Hitler. O-Ton: Ana Zablatnik Verzeihung? Wer denn? Die, was wirklich so eingestellt waren, die denken, dass ihre Einstellung die richtige ist. Sonst wären ja nicht auf einmal von 50 Jahr die Familien eingedeutscht. Es muss ja irgendeine Ursache sein, oder? In den Ortschaften wird überall Deutsch geredet. Schon gleich nach dem 60er Jahr haben sie mit den Kindern gleich Deutsch geredet. Jeder hatte beide Sprachen. Auf einmal war Deutsch das Wichtigste. Slowenisch war schierch. In der Schule haben sie die Kinder beschimpft. Schierch, bin doch nicht blöd, dass ich noch Slowenisch rede. Atmo: Im Bild nun die Mädchen mit den so charakteristisch gebundenen Kopftüchern, die weißen Zipfelstrümpfe mit den roten Strumpfbändern. Kommentatorin: Viel gesungen wird heute beim Festumzug in Klagenfurt. Fast die gesamte Bundesregierung stimmt mit den Kärntner Heimatchören Volkslieder an. Der Landeshauptmann winkt einer Gemeinde nach der anderen zu. Die Kärntner Slowenen winken allerdings nicht zurück. Sie nehmen an dem Umzug nicht teil. Sprecher: Der Dokumentarfilm "Artikel 7 Unser Recht! Pravica na?a! ?len 7" von Eva Simmler und Thomas Korschil, aus dem Jahr 2005, zeichnet Geschichte und Denkstrukturen im Konflikt zwischen kärntnerslowenischer Minderheit und deutschkärntner Mehrheit nach. Eine österreichisch-slowenische Koproduktion eines unabhängigen Wiener Produzenten. Musik: Ro?, Podjuna, Zila Autorin: Über den Abstimmungsgedenkradweg von Villach westwärts. Mit dem Heimatlied der Kärntnerslowenen. Zitator: Rosental, Jauntal, Gailtal, ein Gewinde dreier Täler. Mein Heimatland, mein misshandeltes Volk Autorin: Klagenfurt. Durch die Dr.-Franz-Palla-Gasse ums Eck am Landesgericht vorbei. Im zweiten Stock der ehemaligen Alten Burg befanden sich damals Zentrale und Gefängnis der Gestapo. Dr. Franz Palla war bereits vor 1938 der für Zwangssterilisationen zuständige Arzt am Klagenfurter Landeskrankenhaus. Ein viereckiger Marmorklotz auf dem Domplatz in der Innenstadt "Zum Gedenken an die während und nach dem Zweiten Weltkrieg von Partisanen Verschleppten und Ermordeten". Wenigstens einmal im Jahr erinnern Heimatverbände mit pompöser Zeremonie der "Opfer des Partisanenterrors gegen Kärnten". O-Ton: Miha Zablatnik Ich behaupte, in Österreich gibt es keine Nazi-Wiederbetätigung, sondern eine Weiterbetätigung. In der nichtprotokollarischen Öffentlichkeit ist jeder stolz, dass er für Hitler war, und die Jungen übernehmen. Deswegen hat ja der Haider 40 Prozent. O-Ton: Haider Die Geschichte erfordert langsam ihre Anerkennung. Und es ist notwendig, dass manches erst in die Hirne der Entscheidungsträger hineinkommt, was noch dort an Bildung nicht vorhanden ist. Daher werde ich auch in Zukunft mich weigern, so wie man das in der Vergangenheit hat haben wollen, die sogenannte Befreiungsmedaille der Republik Österreich an ehemalige Angehörige der Tito-Partisanen zu verleihen, weil auf Kärntner Boden kein Feind dieses Landes ausgezeichnet werden wird, so lange ich Landeshauptmann bin. Musik Dead & Gone Volume 1 Sogenanntes Linksradikales Blasorchester, Trauermarsch und Almdoodler Autorin: Über die Abstimmungsstraße stadtauswärts in die Hochtäler diesseits der Karawanken. Nach Ludmannsdorf / Bil?ovs. Am Horizont der Kosiak, die Klagenfurter Spitze, noch in Sichtweite Hochstuhl und Bärentaler Kotschna. Unten im Tal die flaschengrüne Drau. Musik: Ro?, Podjuna, Zila Zitator: Du meine Gefährtin, mein Zuhause und meine Sippe. wenn ich des Kampfes müde werde, werde mir noch zum Grab. Rosental, Jauntal, Gailtal, ... in der ehrfürchtigen Erde wartet dein slowenischer Sohn auf ein Wiedersehen. O-Ton: Miha Zablatnik Österreich hat sich versteckt in die Rolle des Opfers. Ein Beispiel: Wir haben hier ... als slowenische Gemeinderatsliste schon vor zwanzig Jahren das erste Mal versucht, für die Opfer des Nazismus in unserer Gemeinde, in unserer Gemeinde sind drei Ludmannsdorfer als Partisanen gefallen und drei in KZs, sechs insgesamt, dass man für diese sechs an einer öffentlichen Stelle eine Gedenktafel anbringt. Vor mir war meine Frau im Gemeinderat, und immer wenn sie den Antrag gestellt hat, wurde sie abge ... , also es sind fünfzehn im Gemeinderat, dreizehn waren dagegen, zwei, also unsere beiden dafür. Und das noch zu einer Zeit, wo als Bürgermeister ein geborener Slowene, der ausgesiedelt war, auch der hat dagegen gestimmt, weil in Österreich es so ist im Öffentlichen, dass der Kameradschaftsbund, das sind die Leute, die die Wehrmachtsangehörigen weiterbetreuen, die haben überall ihre Kreuze für die gefallenen Soldaten. Und dort steht über die Jahreszahl 1939 bis '45. Da sag ich: Das sind Denkmäler der Täter. ... Österreicher sind '38 überfallen worden, und Österreich ist '38 ausgelöscht worden und nach '45 wieder entstanden. Und wenn ich für diese Zeit Opfer habe, dann habe ich für die gesamte Zeit Opfer. Es gibt aber Österreicher, die Hitler ersehnt haben, die froh waren, dass Hitler kam, denen hat es nichts ausgemacht, dass Österreich verschwunden ist. Für die hat der Krieg erst '39 angefangen, als nicht etwas passiv Erlebtes, sondern aktiv. Natürlich haben sie ihre Denkmäler für diese Zeit. Nur waren das diejenigen, die Österreich vernichtet haben. Wenn ich mich als Österreicher fühle, dann bin ich ab '38 verfolgt worden. In Ludmannsdorf steht so ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen zwischen '39 und '45. Sprecher: Der Gemeinderat einigt sich schließlich auf einen Kompromiss: eine Tafel mit den Namen der sechs Ludmannsdorfer Widerstandskämpfer wird am Boden des Kriegerdenkmals angebracht. Nach drei Monaten muss sie auf Druck des Kameradschaftsbundes entfernt werden. Es sei nicht zumutbar, dass an einer Gedenkstätte für Wehrmachtssoldaten auch der Banditen gedacht werde. Diese kleine Steinplatte hängt jetzt in der Aufbewahrungshalle. Autorin: Was kaum bemerken und in seiner Bedeutung ermessen dürfte, wer darauf nicht aufmerksam gemacht worden ist. Das einst als Bandengebiet berüchtigte Ludmannsdorf / Bil?ovs erweckt heute auf den ersten Blick vielmehr den Eindruck, als hätte die Mehrheit der Minderheit Abbitte geleistet. Die Ortstafel, wie auch schon solche auf dem Weg dorthin: zweisprachig. Grundschule: zweisprachig. Ein slowenisches Kulturzentrum. Die Bank heißt Zveza Bank Posojilnica. In der Zadruga bekommt man alles für den täglichen Haushalts- und Werkstattbedarf. Auf Slowenisch und Deutsch. Aber: eine solche Präsens des Slowenischen in der Öffentlichkeit ist der Volksgruppe keineswegs in den Schoß gelegt worden. Und - sie täuscht auch über tatsächliche Befindlichkeiten hinweg: Musik: Almdoodler und Hassler O-Ton: Breda Zablatnik Ohne viel zu sagen, ist da eine schleichende Assimilation. Es wird nie irgendein Wort über Kärntnerslowenen gesagt. Es ist nur ein Problem. Es ist nie irgendwie etwas Gutes, es sei, man muss es EU-weit präsentieren. Dann sind wir doch die netten, braven, die man vorzeigen kann, dass wir Multikulti sind. Man versteift sich auf Ortstafeln, über die ich nicht diskutiere, weil das ist schon 1955 fixiert worden, das brauch ich nicht disskutieren. Das einzige, das ich diskutiere, ist die Ausbildung: Wo bekommen unsere zweisprachigen Lehrer eine gute slowenische Ausbildung? Nicht nur irgendwo einen Kurs! Du hast viele Lehrer, die im Nachhinein einen slowenischen Kurs machen, aber dann im Prinzip kein Wort sprechen können, und diesen Kurs nur deswegen machen, weil sie sonst keine Arbeit finden. Musik: Kärntner Landeshymne, "Hauspartyversion" O-Ton: Breda Zablatnik Es sind alles so Kleinigkeiten, die aber doch extrem wichtig sind, die angesprochen gehören, die auch viele Kärntnerslowenen nicht wissen. Es ist auch so, dass ich von zuhause mitbekomme, dass ich meine Adresse immer zweisprachig anschreibe, denn es ist ein zweisprachiges Gebiet. Das ist dieses Miteinander, das ich irgendwo suche, weil ich mir denke, es muss doch möglich sein, dass man beide Kulturen, die Kulturen haben sich meiner Meinung nach eh vermischt. Der eine Deutschsprachige hat die gleiche Kultur wie ich, der geht genauso am Sonntag ... ich weiß nicht, von der Kirche, das ist für mich auch Kultur, die haben auch einen Chor, haben auch eine Jugendgruppe. Man sucht sich ja das Gleiche. Wir sind ja vom gleichen Schlag. Nur die Sprache ist anders. Ich will das nicht gleichsetzen mit Mehrsprachigkeit, weil, die Zweisprachigkeit in Kärnten, das sind meine Wurzeln und meine Identität auch. Aber Multikulti kommt, und dementsprechend ist es, wenn ich zwei Sprachen kann, fortschrittlicher. Zitator: Um unsere angestammte deutsche Kultur zu bewahren, andere Kulturen und Denkweisen zu erhalten, muss sich auch die Jugend einbringen, um den kulturellen Reichtum unserer Heimat in seiner Vielfalt zu erhalten. Sprecher: Jugend braucht Heimat. Eine aktuelle Aufklärungsbroschüre des Kärntner Abwehrkämpferbundes. Zitator: Wir brauchen keine Verschmelzung der Kulturen, auch nicht in den Regionen, keinen Multikulti-Einheitsbrei. Der Leitkultur eines Landes haben sich die anderen Kulturen unterzuordnen. Wir wollen auch weiterhin unsere eigene Identität erhalten - das ist eine der größten Herausforderungen, die wir zu bestehen haben. O-Ton: Miha Zablatnik Es ist in Kärnten leider so, meine Nachbarn sind erzogen worden: werde deutsch, dann wird alles gut. Ich foppe sie oft und sage, macht nichts, wenn du arbeitslos bist, Hauptsache, du bist deutsch. Das ist ihnen vermittelt worden wie eine Religion. Es war der Nationalsozialismus auch eine Art von Religion. O-Ton: Ingrid Zablatnik Aber diese Angst vor dem Russischen, die Angst vor allem Slawischen ist da, und Kommunismus ist sowieso ein Schreckgespenst, vor dem man sich wehren muss. ... Ich bin selbst sehr katholisch, gläubig, aber ich glaub, dass die Kirche in dieser Zeit gegen den Kommunismus, und auch heute eine Rolle spielt, die nicht christlich ist. O-Ton: Breda Zablatnik Man sagt immer: ja, Kärnten ist anders. Kärnten hin, Kärnten her. ... Die Politik verwendet im Prinzip eine Volksgruppe, um die Bevölkerung zu manipulieren vor den Wahlen, und danach passiert nichts. Kärnten ist einfach ein Kaff. Es ist extrem schön. Ich bin froh, dass ich in Kärnten geboren bin und dass ich meine Familie in Kärnten habe. Nur dieser Aufenthalt in Wien tut mir auf jeden Fall sehr gut, auch was die Horizonterweiterung angeht, generell. Die hätte ich, glaube ich, in Kärnten nicht bekommen. O-Ton: Ana Zablatnik Man sieht ja, wie weit wir gekommen sind, jetzt. Vielleicht in fünfzig Jahren werden sie sagen: da waren einmal Slowenen, so wie die Zigeuner früher. Könnt ja auch sein, leider. Musik Hassler und Hin Über D´Alm Absage: Der ewige Bandit Eine kärntnerslowenische Familiensaga Ein Feature von Ursula Rütten Sie hörten eine Produktion des Deutschlandfunks, 2008. Es sprachen: Marianne Rogée, Walter Gontermann und Volker Risch Ton und Tecnik: Michael Morawietz und Anna Havemann Regie: Wolfgang Rindfleisch Redaktion: Hermann Theißen Musik CD Hans Hassler sehr schnee - sehr wald, sehr Intakt CD147, LC 11265 Take 1 Hubert von Goisern und die Alpinkatzen CD Wia Die Zeit Vergeht ... [Live] [Disc 1] Tak 6: Kuahmelcher (Live) Archiv-Nr.: 6027187 CD Hubert von Goisern Trad Take 12: A Goiserer Jaga Virgin 2001 LC 10245 Archiv-Nr.: 6047813 CD Musik Dead & Gone Volume 1 Sogenanntes Linksradikales Blasorchester Trauermarsch 21